Die Welt der World of Darkness: V:tM Clans außerhalb Europa & USA

Ein Aspekt der mich an Vampire: Die Maskerade faszinierte ist, dass das Setting eine Welt voller Vampire und anderer Kreaturen bietet.

Es gibt hierbei Fans, die (etwas) überrascht sind, das Fans in beispielsweise Asien das V:tM Setting nehmen, und ihre eigene Städte mit den Clans bevölkern. Anstelle das sie auf den Band „Kinder des Lotos“ respektive „Kindred of the East“ zurückgreifen.

In diesem Artikel mag ich erklären, wie das aus meiner Perspektive kommt und weshalb ich den gleichen oder zumindest einen ähnlichen Standpunkt einnehme. Kurz in diesem Meme dargestellt:

Meme: Vampire, überall Vampire! - Woody und Buzz Lightyear aus Toystory

Vampire: Die Maskerade bietet als Setting eine eindeutig jüdisch bis christlich geprägten Hintergrund für Vampire.

Den Informationen entsprechend, war der biblische Kain, der erste Vampir. Respektive er wurde zum ersten Vampir nachdem ihn Gott für den Brudermord bestrafte. Wenn man tiefer in das Setting abtaucht, hat ihn dabei Lilith geholfen.

Dennoch geht das Setting davon aus, dass die World of Darkness, respektive der Handlungsrahmen von Vampire: Die Maskerade, so pimaldaumen, unserer Welt entspricht.
In unserer Welt sind Menschen, das heißt ich nehme hierbei „Homo Sapiens“, vor etwa 200.000 Jahren in Afrika aufgetaucht. Respektive datieren sich die frühesten Knochen Funde auf diese Zeit und den Kontinent zurück. Man hat rund 100.000 Jahre alte Knochen in Süd-West Asien gefunden, und im Rest der Welt so 60. bis 40.000 Jahre alte Überreste.

Ich persönlich verbinde beide Aspekte dahingehend, dass…

  • Eden irgendwo vor 200 bis 100 Tausend Jahren in Afrika war
  • Die ersten Menschen und Vampire Schwarz
  • Die Vampire sich entlang der Menschheit über die Welt verteilten

Weltkarte mit Pfeilen von Afrika aus in alle Ecken der Welt

Die Idee, das sich Vampire nicht über die ganze Welt verteilt haben, sondern in anderen Regionen anders entwickelten, erscheint mir problematisch.

Wieso sollten die Vampire, frisch aus dem Garten Eden, nicht den Menschen überall hin gefolgt sein?
Nur weil der Enstehungsmythos, der im Setting dominiert, auf eine christliche Geschichte zurück geht? Das ergibt keinen Sinn. Zumal man ich in meiner römisch katholischen Entwicklung einige sehr, sehr dumme Ideen hatte (wie das man seinen Namen mit der Taufe bekommt), aber nicht auf die Idee kam das jetzt Menschen von anderen Orten,… grundlegend andere Menschen sind.

Dementsprechend gibt es Toreador unter den amerikanischen Ureinwohner, japanische Ventrue in Tokyo, chinesische Brujah und dergleichen mehr. Hinzugehen, und zu sagen, dass es dort keine Vampire gibt, ist schon absurd.
Natürlich werden die Vampire dort andere Gepflogenheiten haben und eine Kultur, ihnen jedoch eine andere Biologie und Herkunft zu geben ist zumindest etwas problematisch.

Zumal Spieler die das Spiel spielen, die ganz normalen Clans aus der Welt der Dunkelheit spielen werden wollen. Schließlich heißt es nicht „Europa und die USA der Dunkelheit“.

Noch schwieriger ist, finde ich, die Idee das Vampire in andere Länder durch (eventuell gar europäischen) Kolonialismus reingebracht wurden. Was dann bedeuten würde das man in Südamerika keinen Vampir mit Standard-Clan spielen kann, ohne das man gleich eine Koloniale Vergangenheit mit aufgedrückt bekommt.
Neben der problematischen Idee das Vampire irgendwie bei der Völkerwanderung nicht mitgemacht hätten.

Wieso nicht andere, vampir-ähnliche Mythen adaptieren?

Jiangshi - Hüpfender Vampir - Artwork von Steven Wu für den Jiangshi Blood in the Banquet Hall Kickstarter
Jiangshi (Hüpf-Vampir) Artwork von Steven Wu
Aus dem Jiangshi: Blood in the Banquet Hall Kickstarter

Die Idee hinter Kinder des Lotos war nicht unbedingt Asien auszugrenzen, sondern mehr ein nicht so ideal gelaufener Versuch asiatische Mythen einzubinden. In einem riesigen Potpourri aus ostasiatischen Mythen.

Die Herausforderung hierbei ist, dass es für Personen die dort leben nur eingeschränkt cool ist. Ein wenig so, als würde man Vampire in Deutschland an Sagen um „Nachtalben“ orientieren. Nett, ab und an ganz interessant, aber weniger cool als die normalen Vampire und auf Dauer eher langweilig.

Man kann ggf. lokale Mythen einbinden, in der Form von anderen Kreaturen, sollte jedoch den Fokus bei den Standard Vampiren lassen.
Damit vermeidet man auch die Versuchung, einen Clan und damit Vampir-Archetyp, inklusive aller Stereotypen, für einen ganzen Kontinent bzw. Region zu nehmen. Was, selbst wenn man nicht einen Clan umschreiben muss das er nicht nur aus Meuchel-Mördern besteht, nahezu unmöglich ist stilvoll zu machen.

Wie bringt man es dann aber mit der Geschichte zusammen?

Le Penseur im Rodin Museum in Paris - Statue von Rodin

Eine Herausforderung die sich mit meinem Ansatz stellt, ist das die Geschichte der Vampire sehr Europa- respektive USA zentriert erzählt ist.
Heißt, dem Metaplot ist alles spannende in Europa bis Amerika (mit Fokus auf die USA) passiert, maximal noch im Nahen Osten und ganz früher einmal im Mittleren Osten.

Nur als Vorschlag, respektive Idee, vielleicht liegt es daran das die hiesigen Vampire sich einfach nicht so viel kümmerten was in Asien, Afrika und anderenorts geschah? Das dort ebenfalls Ahnen und Methuselah aktiv sind, man jedoch von diesem kaum erfährt?
Ähnlich wie die Weltgeschichte in meiner Schulzeit sehr Europa und USA zentrisch war.

Das bedeutet natürlich, dass man mental Platz machen muss, für weitere 4. Generations Vampire, die prominent in anderen Kontinenten aktiv waren. Vielleicht auch weitere 3. Generationsvampire mit ähnlichen Eigenschaften.

Zumal ~15 Generationen bei einer Zeitspanne von bis zu 200.000 Jahren, und selbst bei 60.000 Jahren sehr wenig sind.

Mit der Zeitspanne, können Vampire auf anderen Kontinenten auch eigene Vorstellungen von den ersten Vampir(en) und der Herkunft haben.

Ich persönlich würde es gut finden, wenn die V5 den Gedankengang aufgreift, und Spieler außerhalb von den USA bzw. Europa nicht auf Exoten-Vampire oder andere Kreaturen zurückgreifen sollen. Das man in einer Gruppe in Ankara oder in Seoul ganz „normale“ Vampire spielen kann.

Als interessante Lektüre zu dem Thema, möchte ich diesen coolen Patreon Artikel von Khaldoun Khelil empfehlen:

Thoughts On the Mid East in V5

Er hat als Freelancer für Modiphius respektive Paradox die Kapitel zum Mittleren Osten im Camarilla Band überarbeitet.

Es wurde in den Kommentaren gefragt, weshalb ich eine eurozentrische Karte nahm. Die Antwort darauf ist, dass dort Afrika recht mittig liegt, und ich eine s/w Version fand für meine Striche. Dies hier ist eine bessere Darstellung der Wanderung der Menschheit von Wikipedia:

Haplogruppen zeigen die frühe Migration der Menschen: Tausende Jahre vor der Gegenwart.
Anschaulichere und realistischere Karte der Verteilung der Menschenheit über die Welt

Ergänzung: Der Umstand das Kindred of the East / Kinder des Lotus stark problematisch ist, wurde unter anderem im Kindred of the East Storytellers Vault Style Guide thematisiert, ich hatte diesen in einem Artikel vorgestellt.
Ich bin dahingehend nicht sehr diskussionsbereit.